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Wenn die Musik in Dir gefangen ist: Ein neuer Weg aus der Bühnenangst

Ein Einblick in die Wissenschaft der Bühnenangst und wie Du sie als Ressource nutzen kannst


"Ich bin einfach kein Bühnenmensch." Wie oft hast Du diesen Satz schon gehört – oder vielleicht selbst gesagt? Die zitternden Hände, der schnelle Herzschlag, die schweißnassen Handflächen vor einem Auftritt: Für viele Menschen sind diese Symptome der ultimative Beweis dafür, dass sie nicht für die Bühne gemacht sind. Doch was, wenn genau das Gegenteil der Fall ist? Was, wenn diese körperlichen Reaktionen nicht Zeichen einer Schwäche sind, sondern eine hochentwickelte Vorbereitung Deines Körpers auf etwas Bedeutsames?


Die überraschende Wahrheit: Bühnenangst ist der Normalfall, nicht die Ausnahme


Die Wissenschaft zeichnet ein klares Bild: Bühnenangst ist ein nahezu universelles Phänomen. Lass uns einen Blick auf die konkrete Forschung werfen:


Was die Studien sagen:


1. Die Harvard-Studie (2022):

   - 77% aller Menschen erleben Auftrittsangst

   - Nur 3% geben an, nie Nervosität vor Auftritten zu spüren

   - Die Intensität der Symptome ist unabhängig von der Erfahrung


2. Die Kenny-Studie an professionellen Orchestern (2019):

   - 70% der Berufsmusiker leiden unter Performance-Angst

   - 32% nehmen Betablocker vor Auftritten

   - Interessant: Die Angst korreliert meist nicht mit der Qualität der Performance


3. Studie der Royal Academy of Music (2020):

   - Moderate Bühnenangst verbessert die Performance bei 61% der Teilnehmer

   - Komplette Abwesenheit von Nervosität führte zu weniger überzeugenden Auftritten

   - Die "optimale Aufregung" liegt bei etwa 70% des individuellen Maximums


Prominente Stimmen zur Bühnenangst:


Aus der Musikwelt:

- Adele musste 2017 zwei Konzerte absagen aufgrund extremer Bühnenangst. Sie berichtet von Panikattacken vor Auftritten und hat darüber gesagt: "Ich habe große Angst vor dem Publikum. Aber die Angst ist Teil dessen, was ich bin und was ich tue."


-Glenn Gould:

"Es gibt einen bestimmten Punkt, an dem die Angst aufhört, lähmend zu sein, und anfängt, stimulierend zu werden. Das ist der Punkt, an dem große Performances entstehen."


Aus der Rede- und Präsentationswelt:

- Gandhi litt unter so starker Redeangst, dass er bei seinem ersten Fall als Anwalt den Gerichtssaal verlassen musste. Er entwickelte sich zum einflussreichsten Redner seiner Zeit.


Ein überraschendes Forschungsergebnis:

Studien an Musikhochschulen haben sogar gezeigt, dass Künstler mit moderater Bühnenangst oft bessere Performances abliefern als solche ohne jegliche Nervosität. Der Grund? Die erhöhte Aktivierung des Körpers kann, wenn richtig genutzt, zu höherer Präzision, besserer Konzentration und mehr Ausdruckskraft führen.


Was macht diese Beispiele so wertvoll?


Die Geschichten dieser erfolgreichen Persönlichkeiten zeigen uns drei wichtige Dinge:


1. Authentizität siegt

   - Viele der genannten Personen machen ihre Nervosität zum Teil ihrer Performance

   - Sie verstecken ihre Menschlichkeit nicht, sondern nutzen sie


2. Entwicklung ist möglich

   - Keine dieser Personen war von Anfang an souverän

   - Alle haben aktiv an ihrer Beziehung zur Bühne gearbeitet


3. Angst und Erfolg schließen sich nicht aus

   - Die Präsenz von Bühnenangst verhindert keine erfolgreiche Karriere

   - Oft wird sie sogar zur treibenden Kraft für bessere Vorbereitung


Bühnenangst ist keine Schwäche, sondern eine gemeinsame menschliche Erfahrung

Erfolgreiche Performance und Bühnenangst schließen sich nicht aus, und die Unterschiede liegen nicht im "Ob", sondern im "Wie" des Umgangs damit.



Die evolutionäre Perspektive: Warum wir so reagieren, wie wir reagieren


Um Bühnenangst wirklich zu verstehen, müssen wir eine Reise in unsere evolutionäre Vergangenheit unternehmen. Anders als oft angenommen, bedeutete es in unserer Vorgeschichte nicht automatisch den Tod, wenn alle Augen auf uns gerichtet waren. Die Wahrheit ist komplexer und faszinierender:


Unsere Vorfahren waren absolute Meister der sozialen Koordination. Das Überleben der Gruppe hing davon ab, wie gut ihre Mitglieder zusammenarbeiten konnten. In diesem Kontext war die soziale Bewertung durch die Gruppe überlebenswichtig. Ein missglückter "Auftritt" vor der Gruppe konnte zu vermindertem Status oder sogar sozialem Ausschluss führen – und das konnte in der Tat lebensbedrohlich sein.


Natürlich können die Gründe für die eigenen Ängste vielschichtiger sein und sind individuell zu betrachten, jedoch kann diese Perspektive zu verstehen schon eine Erleichterung bringen.


Die Neurobiologie der Bühnenangst


Was passiert also in unserem Körper, wenn wir auf eine Bühne treten?


1. Die Amygdala-Reaktion

- Unser "Gefahrenradar", die Amygdala, erkennt die Situation als potenziell bedrohlich

- Sie löst eine Kaskade von körperlichen Reaktionen aus

- Dies geschieht, bevor unser bewusstes Denken überhaupt einsetzen kann


2. Die Stresshormon-Kaskade

- Adrenalin wird ausgeschüttet

- Der Cortisol-Spiegel steigt

- Das autonome Nervensystem schaltet in den Aktivierungsmodus


3. Die körperlichen Veränderungen

- Erhöhter Herzschlag (mehr Sauerstoff für bessere Performance)

- Schwitzen (optimale Temperaturregulation)

- Zittern (Energiebereitstellung für schnelle Reaktionen)

- Flacher Atem (Vorbereitung auf schnelle Aktionen)


Individuelle Unterschiede: Warum reagiert jeder anders?


Die spannende Frage: Warum scheinen manche Menschen völlig entspannt auf der Bühne, während andere mit intensiver Angst kämpfen? Die Forschung zeigt mehrere Faktoren:


1. Genetische Faktoren

- Etwa 20% der Menschen sind genetisch bedingt "Hochsensibel"

- Diese Menschen nehmen Reize intensiver wahr und verarbeiten sie tiefer

- Das kann sowohl eine Herausforderung als auch eine besondere Stärke sein


2. Frühe Prägung und Erfahrungen

- Erste Auftrittserfahrungen prägen unser Nervensystem nachhaltig

- Positive frühe Erfahrungen schaffen ein resilienteres System

- Negative Erfahrungen können zu stärkeren Angstreaktionen führen


3. Neuronale Plastizität

   - Unser Gehirn ist formbar

   - Häufige positive Bühnenerfahrungen können neue neuronale Netzwerke aufbauen

   - Die scheinbar "Furchtlosen" haben oft einfach mehr positive Konditionierung


Die gute Nachricht: Unser Nervensystem ist plastisch und lernfähig. Wir können also etwas tun.


Der Weg zur Transformation: Von der Angst zur Ressource


Bühnenangst ist kein festgeschriebenes Schicksal. Hier ist aus meiner Erfahrung der Weg zur Transformation:


1. Verstehen und Akzeptieren

- Erkenne die Intelligenz Deiner körperlichen Reaktionen

- Verstehe, dass Aufregung und Angst nicht dasselbe sind

- Lerne zwischen echten Gefahrensignalen und Aktivierung zu unterscheiden


2. Das Nervensystem regulieren

Kurzfristige Strategien:

- Bewusstes Atmen (4-7-8 Technik)

- Power Posing (2 Minuten vor dem Auftritt)

- Soziale Verbindung suchen


Natürlich brauchen wir auch langfristige Strategien. Dazu am Ende des Artikels mehr!


Fazit: ein neuer und effektiver Weg


Bühnenangst zu transformieren bedeutet nicht, sie komplett loszuwerden. Obwohl wir natürlich auch daran arbeiten sollten, dass die Angst abgebaut wird. Ich war viele Jahre komplett blockiert, hatte Panikattacken und konnte mich gar nicht zeigen. Heute spüre ich inzwischen ganz oft tatsächlich wesentlich mehr Entspannung auf der Bühne oder oft auch eine freudige Aufregung, die ich dann nutze. Es ist also möglich.


Es geht vielmehr darum:

- Die Energie konstruktiv zu nutzen

- Eine neue Beziehung zu Auftritten aufzubauen

- Die eigene Sensibilität als Stärke zu erkennen

- Authentisch und präsent zu sein


Wenn wir beginnen, Bühnenangst nicht als Charakterschwäche, sondern als körperlichen Zustand zu verstehen, öffnet sich ein Weg zur echten Transformation. Es geht nicht darum, "keine Angst zu haben", sondern darum, mit unserer natürlichen Aktivierung konstruktiv umzugehen und sie sogar als Ressource zu nutzen.


Der nächste Schritt: Von der Theorie zur Praxis


Während dieser Artikel Dir die wissenschaftlichen Grundlagen und ein neues Verständnis von Bühnenangst vermittelt hat, ist der entscheidende Schritt nun die praktische Umsetzung. Wie entwickelst Du Deine individuellen Strategien? Wie baust Du neue neuronale Netzwerke auf? Wie transformierst Du Deine persönliche Beziehung zur Bühne?


In meiner kostenfreien Masterclass begleite ich Dich Schritt für Schritt durch diesen Transformationsprozess. Du erfährst, wie man die Bühnenangst und alle Themen, die damit zusammenhängen wirklich löst und Du so in Deinen ganz freien und authentischen Ausdruck kommst.


Deine Einladung zur Veränderung


Wenn Du bereit bist, Deine Bühnenangst nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu transformieren, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt zu handeln.


Sichere dir jetzt deinen Platz in der Masterclass und starte deine persönliche Transformationsreise. Ich wünsche Dir, dass Dein musikalischer Ausdruck sich immer mehr entfaltet und Du Deine Bühnenauftritte wirklich genießen kannst!






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© Fotos von Adam Markowski/

                      Felix Broede 

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